Höher, schneller, weiter:

Hustle Culture & ihre negativen Auswirkungen
©️Garrhet Sampson - Unsplash

Warum die Hustle Culture das Gegenteil erreicht

Bloß keine Pausen einlegen, faul auf der Couch liegen oder die Arbeit mal ein paar Tage Arbeit sein lassen. Stattdessen immer produktiv sein, neue Ideen sammeln und sich selbst oder das eigene Business weiterentwickeln – diese Vision transportiert die Hustle Culture. Denn nur so kannst du es wirklich nach ganz oben schaffen und erfolgreich werden – richtig? Falsch. Auch, wenn die vielen TikTok und Instagram Accounts uns glauben machen wollen, dass ein Side Business zum Standard gehört und du in deiner Selbstständigkeit auf jeden Fall fünfstellige Monatsumsätze machen solltest, brauchst du nichts davon, um erfolgreich zu sein. Lass mich dir erklären, warum die Hustle Culture für viele Freelancer und Unternehmer:innen eher schädlich ist und wie auch du ganz nach Balus Grundsatz „mit Ruhe und Gemütlichkeit“ ein erfolgreiches Business aufbauen kannst.

Was bedeutet überhaupt Hustle Culture und warum ist sie allgegenwärtig?

Hustle Culture ist ein Begriff aus dem US-Amerikanischen Raum, der häufig auch als Workaholism, Burnout Culture oder Toxic Productivity bezeichnet wird. Allerdings ist Hustle Culture eben der Begriff, der durch einige Menschen glorifiziert und bekannt gemacht wurde. Es geht dabei um die Haltung, dass du mit genügend Arbeit, Ehrgeiz und Motivation grundsätzlich alles schaffen kannst. Eigentlich ein positives Mantra, das motiviert. Allerdings stellt die Hustle Culture die meist beruflichen Ziele über die mentale und körperliche Gesundheit – sowohl für Selbstständige als auch für Angestellte. Das kann sich dabei auf unterschiedlichen Wegen äußern:

  • Ständige Überstunden sind der Normalzustand.

  • Dauerhafte Erreichbarkeit, auch im Urlaub oder am Wochenende.

  • Arbeit auch an Feiertagen und am Wochenende.

  • Private Beziehungen, Freundschaften und Familie rücken in den Hintergrund.

  • Schlafmangel und Müdigkeit sind der Default Zustand.

  • Kaffee, Energydrinks oder aufputschende Drogen werden verharmlost.

Besonders durch Social Media Plattformen wie TikTok oder Instagram, aber auch über LinkedIn hat die Hustle Culture in den letzten Jahren an Sichtbarkeit und Beliebtheit gewonnen. Versprechungen von hohen Umsätzen, dem oberen Ende der Karriereleiter oder erfolgreichem passivem Einkommen durch ein Side Business locken nach wie vor viele Neugierige an. Jedoch sehen wir Leser:innen in den sozialen Medien wie so oft nur die positiven Seiten und Erfolgsgeschichten.

So kann die Hustle Culture sich negativ auf dich und dein Business auswirken

Arbeiten wir mit einem Ziel vor Augen, fokussieren uns voll auf dieses Ziel und stecken viel Zeit und Energie in unseren Weg, ist es problemlos möglich, unser Ziel auch zu erreichen – das möchte die Hustle Culture uns glauben machen. Positive Effekte können sicherlich hohe Umsätze, viele Kund:innen und spannende neue Projekte sein. Allerdings kann zu viel und vor allem dauerhafte Arbeit und Erreichbarkeit verschiedene negative Auswirkungen haben.

  • Mental Health: Dass viel Stress im Leben sich negativ auf unsere mentale Gesundheit auswirkt, ist längst kein Geheimnis mehr. Dauerhafte Erreichbarkeit für Kund:innen, knappe Deadlines und zu viele Projekte auf einmal, wie die Hustle Culture es vorlebt, lösen bei den meisten Menschen jedoch vor allem eben diesen Stress aus. Ignorierst du die Warnzeichen deines Körpers, erlebst du im schlimmsten Fall einen Burnout.

  • Work Life Balance: Besteht der Großteil deines Tages vor allem aus Arbeit, fehlt dir sowohl körperlich als auch mental der Ausgleich. Vor allem in der Selbstständigkeit ist es jedoch eine deiner wichtigsten Aufgaben, eine gesunde Work Life Balance aufzubauen, um zu hohen Stress, zu viel Arbeit und damit deine Gesundheit zu riskieren. Je mehr du arbeitest, desto mehr wirkt sich das auf deine Freizeit aus.

  • Körperliche Gesundheit: Stress kann sich auch in Form von Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Schlafproblemen bemerkbar machen. Noch größer werden die körperlichen Auswirkungen, wenn du aufgrund von zu wenig Schlaf und zu viel Arbeit nahezu im Kaffee badest, viel rauchst oder sogar zu Drogen greifst. Sowohl Schlafmangel als auch Kaffee und Zigaretten werden noch immer von vielen Menschen verharmlost, teilweise sogar romantisiert.

  • Privatleben: Je mehr du arbeitest, desto weniger Zeit kannst du dir für die wichtigen Menschen in deinem Leben nehmen. Ob Familie, Freund:innen oder Partner:in – dauerhaft im Stress sein und hustlen sorgt schnell dafür, dass du diese Beziehungen vernachlässigst und dein Privatleben hinten anstellst.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass zu viel Hustle sich letztendlich auch negativ auf dein Business auswirken kann. Geht es dir mental schlecht, bist du dauerhaft gestresst oder erleidest sogar einen Burnout, musst du möglicherweise längere Zeit von der Arbeit zurücktreten und schadest damit deinem Business.

Slow Business statt Hustle Culture: Erfolgreich, aber gelassen

Statt dich voll in die Hustle Culture zu stürzen, um vermeintlichen Erfolg in Form von utopischen Umsätzen oder Kundenzahlen mit deiner Selbstständigkeit zu erzielen, kannst du den Erfolg deines Business auch an andere Faktoren knüpfen und ihn auf anderen Wegen erreichen. Einen bewussten Gegenpol zur Hustle Culture bildet die Slow Business Mentalität. Keine Sorge – dabei geht es nicht darum, dich auszubremsen. Vielmehr liegt der Fokus eines Slow Business darauf, auf gesundem Weg nachhaltig deine persönliche Definition von Erfolg zu erreichen. Diese Definition kann dabei ganz individuell aussehen:

  • Dein Arbeitstag umfasst mehrere kurze Zeitblöcke, in denen du voll fokussiert arbeitest – statt von 9 to 5 über den ganzen Tag verteilt mit langen Pausen für Natur, Familie oder Kreatives.

  • Du verdienst in deinem Business genau so viel, wie du für ein komfortables Leben benötigst – der Druck vom fünfstelligen Monatsumsatz lässt sich stattdessen kalt.

  • Deine Arbeit soll auch nach vielen Jahren noch Spaß machen. Du möchtest bedeutungsvolle Zusammenarbeiten mit Kund:innen schaffen, statt möglichst schnell möglichst viele Aufträge abzuschließen.

  • Du arbeitest, um zu leben – nicht andersherum. Sofern deine Zahlen für dich stimmen, nimmst du deshalb so viel Urlaub und Freizeit, wie du möchtest.

Mit dem Slow Business Ansatz stellst du sicher, dass deine Leidenschaft, gute Kundenbeziehungen und hochwertige Arbeit im Mittelpunkt deiner Selbstständigkeit stehen. Ebenso wie deine Work Life Balance, körperliche und mentale Gesundheit. Statt dich dem künstlich erzeugten Stress der zahlreichen Hustle Culture Social Media Accounts zu ergeben, stellst du dich selbst in den Fokus und wirst der Hauptcharakter deiner eigenen Geschichte.

Fazit: Nimm den Druck der Hustle Culture raus und folge deinen eigenen Zielen

Druck von außen, Stress und zu hohe Erwartung zählen zu den Faktoren, die einen besonders negativen Einfluss auf dich und dein Business nehmen können. Von zu vielen Seiten wird noch immer von Selbstständigen erwartet, dass sie immer „höher, schneller, weiter“ möchten. Dass viele Freelancer oder Gründer:innen sich jedoch selbstständig machen, um von den Freiheiten zu profitieren und ihrer beruflichen Leidenschaft nachzugehen, wird dabei zu oft vernachlässigt. Stattdessen wird eine sicherlich nur in sehr geringem Maß gesunde Hustle Culture angepriesen, die den vermeintlichen Erfolg garantieren soll. Ob bewusst mit dem Slow Business Ansatz oder einfach, indem du dich täglich darauf fokussierst, dein Leben statt deiner Arbeit in den Mittelpunkt zu stellen: Nimm den Druck aus deiner Selbstständigkeit heraus und folge deinen eigenen Zielen, statt der Hustle Culture.