Kundenbeziehungen als Freelancer

Kundenbeziehungen als Freelancer
©️ Anna Kapustina - pexels.com

Warum ich mit all meinen Kund:innen Bier trinken gehen würde

„Du hast doch bestimmt auch Kund:innen, für die du überhaupt nicht gerne arbeitest, oder? Erzähl mal deine besten Horrorgeschichten!“ – Diese Frage kommt bei uns Freelancern immer mal wieder auf. Ich habe darauf zwei Antworten. Erstens: Ich rede grundsätzlich nicht gerne negativ über andere Menschen. Zweitens: Ich habe tatsächlich keine Kund:innen, mit denen mir die Zusammenarbeit keinen Spaß macht. Wenn ich mit Kund:innen kein Bier trinken gehen würde, nehme ich sie nicht an. Diese Aussage hat schon für einige verwirrte Blicke gesorgt. Deshalb soll dieser Artikel ein wenig Licht ins Dunkel rund um das Thema Kundenbeziehungen als Freelancer bringen.

Wie baut man als Freelancer überhaupt Kundenbeziehungen auf?

Besonders über Plattformen wird eine Zusammenarbeit schnell zur anonymen Bekanntschaft. Nur eine Handvoll Nachrichten für einen SEO-optimierten Blogartikel können bei gut ausgearbeitetem Briefing tatsächlich zum erfolgreichen Text führen. Eine echte Beziehung zwischen Kund:in und Freelancer entsteht so aber natürlich nicht. Ob im Rahmen einer Freelancer-Plattform oder in meist persönlicherer direkter Zusammenarbeit – es gibt mehrere Wege, über die langfristige Kundenbeziehungen entstehen können.

  • Klare & transparente Kommunikation: Ob es um die Einschätzung für den Zeitrahmen eines Projekts geht, um das Budget oder um fachliche Beratung – je deutlicher und transparenter die Kommunikation stattfindet, desto mehr fühlen Kund:innen sich verstanden und wertgeschätzt. Um den heißen Brei herumreden oder die Realität in Watte verpacken ist meist nicht der sinnvollste Weg.
  • Positionierung als Expert:in: Auch mit transparenter Kommunikation können wir Freelancer uns auf unserem Expert:innengebiet klar positionieren. Je verständlicher dabei Themen aufbereitet werden können, desto größer wird auch das Vertrauen. Kaum etwas sorgt für mehr Unsicherheit als das Bedürfnis nach einer Übersetzung des Beratungsgesprächs, weil es zum Großteil aus Abkürzungen und Fachjargon bestand.
  • Grenzen setzen: Meine erste Reaktion bei einer Anfrage, die nicht wirklich zu dem passt, was ich anbiete, war lange Zeit geprägt von einem falschen Pflichtgefühl, besonders wenn sie von Bestandskund:innen kam. Mittlerweile empfehle ich andere Expert:innen aus meinem Netzwerk, lehne Projekte ab, für die mir schlicht die Kapazitäten fehlen und hatte trotzdem keinen einzigen empörten Anruf oder habe Kund:innen verloren. Stattdessen waren die Reaktionen verständnis- und respektvoll. Außerdem: Können wir unseren Kund:innen wirklich zu den bestmöglichen Ergebnissen verhelfen, wenn wir in unserem Business gestresst sind, unter Zeitdruck stehen und ständig an unserer Grenze arbeiten?
  • (Über)troffene Erwartungen: Ziel ist es natürlich immer, Projekte entsprechend des Briefings abzuschließen, also die Erwartungen zu erfüllen. Eine langfristige Beziehung entsteht aber häufig dann, wenn Freelancer mitdenken. Ob ein kleiner Tipp für das Design der Website, inspirierende Grafiken, die bei der Recherche auftauchen oder ein früher erster Textentwurf zur Durchsicht – es gibt unterschiedliche Wege, den einen Schritt mehr zu gehen. Dieser Schritt muss dabei nicht einmal viel Zeit kosten – das soll er auch gar nicht.

Kleiner Tipp zum Schluss: Erkenne, wenn es nicht passt

Nicht jede Zusammenarbeit ist für lange Zeit geschaffen. Manchmal sind wir mit Kund:innen einfach nicht auf einer Wellenlänge oder Projekte liegen uns thematisch doch nicht so sehr, wie wir erwartet hatten. In diesem Fall darf eine Zusammenarbeit auch nach abgeschlossenem Projekt auseinander gehen oder aktiv beendet werden. Meine Erfahrung ist, dass das Ende der Zusammenarbeit in den meisten solcher Fälle einvernehmlich ist.

Warum Bier trinken mein Maßstab für gute Kundenbeziehungen ist

Es muss natürlich nicht unbedingt Bier sein – klingt nur witziger. Das Bier kann auch ein Kaffee, ein gemeinsamer Snack oder ein gemütliches Zusammensitzen außerhalb eines Projekts sein. Was ich damit sagen möchte: Meiner Erfahrung nach kann eine erfüllende Zusammenarbeit, die gleichzeitig von Erfolg gekrönt ist und Spaß macht, nur dann entstehen, wenn ich als Freiberuflerin auf einer Wellenlänge mit meinen Kund:innen bin. Lass mich dir die Gründe dafür erklären.

  • Spaß bei der Arbeit: Dass wir produktiver, motivierter und erfolgreicher sind, wenn wir Spaß bei der Arbeit haben, ist inzwischen kein Geheimnis mehr. Dennoch ist noch immer in so vielen Köpfen verankert, dass Arbeit keinen Spaß machen darf. Das möchte ich ändern – und wenn ich damit nur einen kleinen Glimmer im Tag meiner Kund:innen hinterlasse.
  • Ähnliche Ansichten: Ähnliche Ansichten und Ideen im privaten Leben sorgen oft dafür, dass ähnliche Ansichten auch im Laufe des Projekts entstehen. Der Vibe passt – ich verstehe schnell, was gewünscht ist und meinen Kund:innen fällt es leicht, mir zu zeigen, was sie sich wünschen. Ist dieses Verständnis schnell da, führt das auch schneller zu erfolgreichen Ergebnissen.
  • Offenheit: Haben wir eine gute Beziehung, sind wir offener zueinander. Das hilft mir dabei, dich besser kennenzulernen und dich besser in deine Texte zu verpacken. Gleichzeitig sorgt diese Offenheit dafür, dass wir uns trauen, Ideen – auch oder vor allem schlechte – in den Raum zu werfen. Daraus können tolle neue Projekte entstehen.
  • Hohes Vertrauen: Haben wir eine persönliche Verbindung zu jemandem, vertrauen wir ihm stärker. Nicht umsonst setzen Unternehmen im Marketing immer mehr auf persönliche Verbindungen, zum Beispiel durch Influencer. Dieses hohe Vertrauen hilft natürlich mir als Freelancer, meine Kund:innen an mich zu binden, aber auch meinen Kund:innen, jemanden an der Hand zu haben, auf den sie sich verlassen können und der die gewünschten Ergebnisse liefert, statt unpersönlicher Dienstleistungen.

Kurz zusammengefasst: Bin ich mit meinen Kund:innen auf einer Wellenlänge, macht uns die Zusammenarbeit Spaß, wir sind produktiver und erreichen damit bessere Ergebnisse.

Fazit: Gute Kundenbeziehungen als Basis für erfolgreiche Zusammenarbeit

Ja, ich bin in der extrem komfortablen Position, mir meine Kund:innen aussuchen zu können – dessen bin ich mir bewusst. Zu Beginn meiner Selbstständigkeit habe ich auch Aufträge angenommen, die mir keinen Spaß gemacht haben und mit Kund:innen gearbeitet, die weder meine Werte vertreten haben, noch mit mir auf einer Wellenlänge waren. Warum „Mit ihr würde ich Bier trinken gehen“ trotzdem auch zu dieser Zeit schon ein guter Maßstab war? Weil ich so ein Gefühl dafür entwickeln konnte, mit welcher Art Mensch ich langfristig zusammenarbeiten möchte und mit wem ich mich nach einem Projekt nicht um neue Projekte bemühe. Mit der Zeit hat sich so ein Kundenpool entwickelt, in dem ich mich über jede Mail und jeden Anruf freue und gerne höre, was es Neues gibt – auch, wenn über Monate kein Kontakt bestand. Und das schätzen auch meine Kund:innen.