Slow Business: Von Hektik zu Harmonie in deiner Selbstständigkeit

Slow Business entspannte Selbstständigkeit
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„So schaffst du es in einem halben Jahr zu 5-stelligen Monatsumsätzen“

„Gewinne die top zahlenden Kund:innen und klettere die Erfolgsleiter hoch“

„7 Business-Ideen, die dich sofort erfolgreich machen“

Diese Versprechen kennst du sicherlich auch. Aber was ist eigentlich mit

„So integrierst du dein Business mit Ruhe in deinen Alltag“

„Finde Kund:innen, die deine Werte teilen und baue langfristige Beziehungen auf“

„Dein Weg in eine Selbstständigkeit, die dich erfüllt“

Vielleicht hast du auch das Gefühl, dass du als Selbstständige:r immer „höher, schneller, weiter“ musst. Eigentlich wünschst du dir aber Ruhe, eine Work-Life-Balance, die sich wirklich so nennen darf und Kund:innen, mit denen du Bier trinken gehen würdest. Diesen Ansatz verfolgt die Slow Business Mentalität: Als Gegenpol zur allgegenwärtigen Hustle Culture befreit ein Slow Business sich vom gesellschaftlichen Druck, dass Erfolg in der Selbstständigkeit sich ausschließlich durch utopische Umsätze ausdrückt. Stattdessen geht es darum, Freude in den Mittelpunkt zu stellen, für das zu arbeiten, das Spaß macht und dein Unternehmen achtsam aufzubauen. Was das konkret bedeutet und wie du die Slow Business Mentalität in deinen Alltag integrieren kannst? Das erfährst du in diesem Artikel.

Sollten wir wirklich alles langsamer angehen? Was bedeutet überhaupt Slow Business?

Übersetzen wir den Begriff Slow Business, erhalten wir ein langsames Unternehmen. Also – geht es darum, dass wir einfach langsamer arbeiten? Sicherlich nicht. Vielmehr entsteht der Begriff Slow Business aus dem Slow Living Ansatz, der wiederum aus dem Slow Food Movement ausgegründet wurde.

Das Slow Food Movement entstand in den 1980er Jahren als Gegenpol zur Gründung der zahlreichen Fast Food Ketten. Heute handelt es sich bei der Organisation um eine weltweite Bewegung, die sich für faire, saubere und gute Lebensmittel für alle einsetzt.

Das Slow Living Modell legt die Mentalität dieser Bewegung für die Lebensgestaltung zugrunde. Es geht um Achtsamkeit, bewusstes Handeln und die Befreiung von gesellschaftlichem Druck, statt explizit um Langsamkeit. Auf dein Business lässt sich dieser Ansatz in unterschiedlichen Wegen darstellen:

  • den Karrieredruck herausnehmen
  • der Hustle Culture den Rücken kehren
  • nicht um des Wachsens willen wachsen
  • achtsam arbeiten & Freude in den Mittelpunkt stellen

Was Slow Business nicht ist

Verfolgst du in deiner Selbstständigkeit den Slow Business Ansatz, bedeutet das nicht, dass du langsam arbeitest, nur wenige Kunden gewinnst und nicht erfolgreich wirst, da du von deiner langsameren Arbeit nicht leben kannst. Statt die schnellen Umsätze und das sofortige extreme Wachstum zu verfolgen, das die Hustle Culture uns heute vorlebt, können wir hier eher von bewusstem und bedachtem Aufbau eines Unternehmens sprechen. Du nimmst den Druck heraus, immer höher, schneller, weiter zu müssen, sondern entwickelst dein Business nach deiner eigenen Definition von Erfolg.

  • Deine Arbeit soll sich wirklich in deinen Alltag integrieren, statt dafür zu sorgen, dass du dich 8 Stunden zu festen Zeiten an deinen Schreibtischstuhl klebst?

  • Du möchtest komfortabel von deinem Unternehmen leben können, hast aber kein Interesse am Skalieren und der dauerhaften Maximierung deines Umsatzes?

  • Du möchtest deine Leidenschaft zum Beruf machen, ohne nach wenigen Jahren den Spaß daran zu verlieren, weil sich alles nach Arbeit anfühlt?

  • Dein Ziel ist es, dein Leben in den Mittelpunkt zu stellen, statt deine Arbeit zum Leben zu machen und dich ausschließlich darüber zu definieren?

All diese Ziele kann der Slow Business Ansatz repräsentieren. Was er dabei sicherlich nicht tun soll: dich einschränken, deinen Erfolg minimieren oder gar dafür sorgen, dass du von deiner Arbeit nicht leben kannst. Lediglich die Herangehensweise ist eine andere.

So kann die Slow Business Mentalität deine Selbstständigkeit positiv verändern

Für deine Selbstständigkeit und deinen Arbeitsalltag kann es gleich mehrere positive Veränderungen geben, wenn du dich an der Slow Business Mentalität orientierst. Vor allem eine authentische Marke mit klarem Fokus sowie langfristige Zusammenarbeit mit Kund:innen entstehen so häufig.

Dein Business selbst zeichnet sich durch einen klaren Fokus aus. Zusätzlich können die Entschleunigung und der entfallende Leistungsdruck dir ganz besonders dabei helfen, auch im Privaten weniger Stress zu erleben. Deine mentale Gesundheit wird sich bei dir bedanken, dass du dich auf sie fokussierst.

So kannst du den Slow Business Ansatz in den Alltag deiner Selbstständigkeit integrieren

Um nach der Slow Business Mentalität zu arbeiten, gibt es nicht nur den einen richtigen Weg. Vielmehr gibt es mehrere unterschiedliche Möglichkeiten für dich, wie du dein Business zum Slow Business machen kannst.

Wünschst du dir Harmonie und Gelassenheit in deiner Selbstständigkeit, bedeutet das im Umkehrschluss auch, dass du erst einmal herausfinden darfst, wann du dich gelassen und entspannt fühlst. Liebst du einzelne herausfordernde Tage, während du an anderen Tagen deinen Freizeitwünschen nachgehen kannst, hast du sicherlich andere Vorstellungen, als wenn du am liebsten morgens für wenige Stunden arbeitest und den restlichen Tag zur freien Verfügung hast.

Eine deiner wichtigsten Aufgaben ist es demnach, erst einmal herauszufinden, wie deine Traum-Selbstständigkeit aussieht. Welche Ziele hast du – kurzfristig und perspektivisch? Klare Ziele helfen dir dabei, Harmonie in deine Selbstständigkeit zu bekommen. Regelmäßige Reflexion hilft dir zusätzlich dabei, deine Ziele und deinen Fortschritt dorthin zu überprüfen. Umsetzen kannst du das auf unterschiedlichen Wegen:

  • Schaffe dir eine ruhige Umgebung, die dich inspiriert, indem du zum Beispiel dein Arbeitszimmer gemütlich einrichtest und dir entspannende Musik einschaltest.
  • Nimm dir regelmäßig Zeit, um deine Ziele zu setzen und zu reflektieren, etwa monatlich oder einmal im Quartal.
  • Nutze Vorlagen für deine Zielsetzung und Planung oder besuche Workshops, die dich unterstützen.

Achtsamkeit im privaten Alltag ist in den letzten Jahren zum großen Trendthema geworden. Aufmerksam durch den Alltag gehen, Momente bewusst wahrnehmen und ohne Wertung auf die eigene Stimmung achten – darum geht es bei Achtsamkeit. Dieser Ansatz stammt ursprünglich aus dem Buddhismus und soll als Form der Meditation dabei helfen, das Leben zu entschleunigen, Stress zu verringern und die mentale Gesundheit zu verbessern. Aber nicht nur im Privatleben, sondern auch bei der Arbeit können wir Achtsamkeit umsetzen:

  • Beginne deinen Arbeitstag langsam und komm erst einmal an deinem Arbeitsplatz an – auch, wenn er sich nur einen Raum weiter von deinem Schlafzimmer befindet. Statt direkt den Laptop aufzuklappen und Mails zu beantworten, verschaffe dir einen Überblick über den bevorstehenden Tag, mache einen kurzen Check-In mit dir selbst und bereite deinen Arbeitsplatz für den Tag vor.
  • Kurze Check-Ins über den Tag verteilt helfen dir, deine Stimmung und Gefühle wahrzunehmen und zu verstehen. Nimm zum Beispiel beim Trinken bewusst wahr, wie es dir gerade geht. Stelle dir vielleicht einen Timer alle 1 – 2 Stunden, um daran zu denken. Auf Dauer schlägst du so zwei Fliegen mit einer Klappe: Wasser trinken und Stimmungscheck.
  • Lies und bearbeite deine Mails bewusst. Statt sie direkt bei Eingang nur zu überfliegen, kannst du beispielsweise am Anfang oder Ende deines Arbeitstages ein Zeitfenster für das bewusste Beantworten von Mails freihalten. So erhalten deine Kund:innen keine Antwort zwischen Tür und Angel und du wirst nicht aus deinem Arbeitsflow gerissen.

Achtsamkeit im Arbeitsalltag kann dein Business gleich aus mehreren Gründen voranbringen:

  • Du hast mehr Ruhe und bist gelassener.
  • Du empfindest weniger Stress.
  • Du steigerst deine Konzentrationsfähigkeit.
  • Du verbesserst deine Kundenkommunikation.

Dein Zeitmanagement spielt eine zentrale Rolle für den Erfolg deiner Selbstständigkeit. Wünschst du dir mehr Gelassenheit im Sinne des Slow Business Ansatzes, darfst du vor allem lernen, realistische Zeitpläne zu erstellen. Das bedeutet:

  • Überladene To-do-Listen sind nicht mehr der Standard
  • Plane Puffer für deine Kundenprojekte ein
  • Blocke dir feste Zeiten für eigene Business-Aufgaben
  • Plane Zeit für die Kundenkommunikation ein
  • Denke auch an Tage, an denen du einfach unproduktiv bist

Der wichtigste Tipp für dein Zeitmanagement ist wohl, Unproduktivität einzuplanen. Du bist schließlich keine Produktionsanlage. An manchen Tagen möchte die Kreativität einfach nicht herauskommen, du hast schlecht geschlafen oder privat gerade viel auf dem Teller. Je flexibler du deinen Zeitplan gestalten kannst, desto mehr Puffer du also einplanst, desto weniger Druck machst du dir selbst. Erlaube dir, unproduktiv zu sein – je mehr Druck du dir selbst machst, desto schneller landest du letztendlich in einer Abwärtsspirale.

Gelassenheit in der Selbstständigkeit und die Umsetzung der Slow Business Mentalität hat auch etwas mit den Kund:innen zu tun, mit denen du zusammenarbeitest. Möchtest du deine Arbeit gelassen angehen, bedeutet das auch, einen Kundenstamm aufzubauen, der zu deinen Werten und Vorstellungen passt. Ich stelle mir beispielsweise bei jeder neuen Zusammenarbeit die Frage: Würde ich mit dieser Kund:in nach Feierabend ein Bier trinken gehen? Letztendlich frage ich mich dadurch, ob ich mit der Kund:in auf einer Wellenlänge bin. Denn so macht mir die Arbeit Spaß, ich bin produktiver und erziele bessere Ergebnisse. Um mit diesen Kund:innen eine langfristige Beziehung aufzubauen, kannst du mehrere Ansätze verfolgen:

  • Kommuniziere klar und transparent mit deinen Kund:innen.
  • Bereite dein Fachwissen verständlich auf, statt mit Fachbegriffen zu jonglieren.
  • Lerne, Grenzen zu setzen, nimm Projekte an, die zu dir passen und für die du Kapazitäten hast.
  • Denke in den Projekten mit und schaue über den metaphorischen Tellerrand hinaus, statt stumpf ein Briefing abzuarbeiten.

Bestimmt kennst du ähnliche Situationen auch aus deinem Business: Du hast in der nächsten Woche eine Deadline und schon verlässt dich deine Kreativität. Das löst Stress bei dir aus und sorgt wiederum dafür, dass du noch weniger kreativ und produktiv bist – ein Teufelskreis. Was in einer solchen Situation hilft? Eine Pause – genau das, was du glaubst, dir nicht erlauben zu können. Aber statt dir Zeit zu klauen, bewirken Pausen in der Regel genau das Gegenteil.

  • Sie geben dir den nötigen Abstand zu deinem Projekt und schaffen einen klaren Kopf.
  • Sowohl Körper als auch Geist können in einer Pause abschalten und entspannen.
  • Du hast Zeit, deine Ziele wieder in den Fokus zu rücken und zu reflektieren.

Diese bewusste Entschleunigung wiederum sorgt dafür, dass du wieder mehr Inspiration gewinnst und entspannter an deine Aufgaben herangehen kannst. Auch die Produktivität steigt durch einen klaren Kopf und weniger Stress wieder.

Ein erfüllendes Slow Business hängt natürlich unmittelbar mit einer Work Life Balance zusammen, die zu dir passt. Grundsätzlich scheint es für Freelancer oft schwierig zu sein, Arbeit und Privatleben auszubalancieren – die Aussage „Du bist selbstständig? Also arbeitest du selbst und ständig?“ wird noch immer deutlich häufiger genutzt, als man es sich wünschen würde. Dabei ist eine gesunde Work Life Balance aber nicht nur für Angestellte, sondern auch für Selbstständige wichtig – sie beeinflusst die körperliche und geistige Gesundheit, gibt dir Energie und sorgt für den wichtigen Ausgleich.

Aber wie kannst du als Freelancer deine Work Life Balance verbessern?

  • Setze Prioritäten und arbeite vor allem die Aufgaben ab, die wirklich wichtig sind.
  • Plane immer Puffer in deine Projekte ein – ob für geringe Motivation, private Überraschungen oder längere Abstimmungsgespräche mit Kund:innen.
  • Schaffe dir eine Arbeitsumgebung, die fokussierte Arbeit ohne Ablenkung durch Smartphone & Co ermöglicht.
  • Halte feste Zeiten für Pausen und Feierabend ein.
  • Lagere nach Möglichkeit Leistungen aus, die dir keinen Spaß machen.

Besonders als Selbstständige:r benötigst du eine wichtige persönliche Eigenschaft: Resilienz. Die sogenannte mentale Widerstandsfähigkeit benötigst du auch, wenn du nicht aktiv den Slow Business Ansatz verfolgst. Denn unerwartete Krisen, ausfallende Projekte oder Probleme mit Kund:innen können jederzeit auftreten und leider nicht an die Chefin oder einen Mitarbeiter weitergegeben werden. Selbstständige tragen schlicht ein höheres Risiko als Angestellte. Um deine Resilienz zu stärken, hilft vor allem Erfahrung und viel innere Arbeit. Konkret bedeutet das:

  • Lerne zu akzeptieren, dass Veränderungen zum Leben (und zum Business) gehören.
  • Baue dir ein Netzwerk auf, auf das du im Ernstfall zurückgreifen kannst.
  • Arbeite auf ein positives Selbstbild und ein hoffnungsvolle Haltung hin.
  • Du wirst feststellen, dass Krisen überwindbar sind.
  • Finde neue Stärke durch neue Kenntnisse, Fähigkeiten oder Qualifikationen.

Kann man mit einem Slow Business wirklich erfolgreich werden?

Die Arbeit nach dem Slow Business Ansatz wird dir wahrscheinlich nicht zu persönlichem Erfolg verhelfen, wenn du schnell mit deinem Unternehmen wachsen und hohe Umsätze erzielen möchtest. Vielmehr ist das Modell vor allem für die Menschen interessant, die weniger Interesse am Erklimmen der Karriereleiter haben, sondern sich nach Entschleunigung sehnen und ihren Beruf in den Alltag integrieren möchten, ohne ihre privaten Interessen hinten anstellen zu müssen.

Genauso bedeutet Slow Business jedoch nicht, dass du nicht erfolgreich werden kannst. Dein Wachstum findet statt exponentiell in der Regel eher stetig und ruhiger statt. Dafür baust du dir allerdings auch meist langfristige Zusammenarbeiten mit Kund:innen auf, die deine Werte vertreten und deren Projekte dich erfüllen und glücklich machen. Gleichzeitig läufst du weniger schnell Gefahr, auszubrennen und dein Business wieder aufgeben oder aus gesundheitlichen Gründen herunterschrauben zu müssen. Slow Business kann dich vor allem dabei unterstützen, langfristig zufrieden und erfolgreich in der Selbstständigkeit zu sein.

Von der Hustle-Kultur zur Slow Business Mentalität

Immer mehr Menschen sehnen sich nach Entschleunigung in einer immer schneller werdenden Welt. Gerade von der Generation Z und Alpha, aber auch von vielen Millennials geht das Bedürfnis aus, ruhiger und gelassener zu leben. Der Weg an das obere Ende der Karriereleiter steht dabei für immer weniger Menschen im Mittelpunkt. Vielmehr wünschen sie sich eine Tätigkeit, die sie erfüllt, ohne sie auszubrennen und viel Stress zu verursachen. Was sich in der Corporate Welt entwickelt, kann auch im eigenen Business umgesetzt werden. Wenn du der typischen „höher, schneller, weiter“ Mentalität und der Hustle-Kultur den Rücken kehren möchtest, kann dich der Slow Business Ansatz auf deinem Weg zur erfüllenden und erfolgreichen Selbstständigkeit begleiten – in deinem eigenen Tempo und nach deinen persönlichen Vorstellungen.