Kann man KI-Texte erkennen?

Und wenn ja, wie?
In einer Zeit, in der KI-Tools wie ChatGPT zum zentralen Thema geworden sind, fragen sich immer mehr Menschen, ob es auch Wege gibt, KI-Texte zuverlässig zu erkennen.
Na, schon gelangweilt? Oder zumindest verwundert? Dann gehörst du wahrscheinlich auch zu den Menschen, die langsam, aber sicher ein Gespür dafür entwickeln, wann Texte von einer KI erstellt wurden. Den Satz habe ich sogar selbst geschrieben – aber eben so, wie viele KI-Tools und speziell ChatGPT ihre Artikel beginnen. Die Frage, ob man KI-Texte irgendwie zuverlässig erkennen kann, kommt deshalb in letzter Zeit immer häufiger auf. Spoiler: Eine wirklich zuverlässige Methode gibt es bisher nicht. Ich möchte dir in diesem Artikel aber einerseits erklären, warum es überhaupt eine Rolle spielt, ob Texte von einer KI erstellt wurden und andererseits zeigen, was es mit KI-Erkennungstools auf sich hat und an welchen Merkmalen du KI-generierte Texte selbst erkennen kannst.
Warum ist es überhaupt relevant, ob Texte mit KI erstellt sind?
Nicht, dass es ein grundlegendes Problem ist, Texte mit KI zu erstellen – allein die Zeit- und Kostenersparnis und die geschonten Nerven sind definitiv Argumente für den Einsatz von KI in Kreativjobs. Trotzdem scheint es inzwischen teilweise so, als würden wir auf einen KI-Einheitsbrei hinsteuern, wie es in den frühen SEO-Jahren mit Texten geschehen ist, die einfach wahllos mit Keywords vollgestopft wurden. KI kann eine wahnsinnig hilfreiche Unterstützung im Arbeitsalltag sein – aber eben auch nur das: Unterstützung. Sie schreibt zusammenhängende Texte, gibt inzwischen auch mehr oder weniger zuverlässig ihre Quellen an und hört darauf, wenn man sie bittet, endlich das Raketen-Emoji aus ihrem Emoji-Schatz zu verbannen. Trotzdem ist es einerseits sinnvoll, KI-Texte erkennen zu können und andererseits wichtig, ob Texte mit KI erstellt wurden, gleich aus mehreren Gründen.
Kurze Side Note: Ich gehe hier größtenteils von Texten aus, die mit einem einzelnen Prompt erstellt werden und mit nur minimaler Nachbearbeitung veröffentlicht werden. Komplexes Prompting nimmt für mich inzwischen eher eine eigene berufliche Position ein – hier ist der Aufwand aber auch schnell vergleichbar zur eigenständigen Inhaltserstellung.
Eine konkrete Frage, die du dir als Leser:in stellen kannst:
Sind dir Authentizität und Transparenz in Hinblick auf KI-Nutzung bei einer Marke wichtig? Ich persönlich habe meine Schwierigkeiten damit, eine authentische Marke mit der Erstellung von KI-Texten zusammenzubringen – aber in dieser Frage scheiden sich die Geister. Denn das begründete Gegenargument lautet: Können Marken, die externe Texter:innen beauftragen, dann überhaupt authentisch sein? Philosophie am frühen Morgen – oder wann auch immer du diesen Artikel liest. Letztendlich muss sich jede:r hier eine eigene Meinung bilden. Je nachdem, wie diese Meinung ausfällt, ist es entsprechend wichtig, selbst KI-Texte erkennen zu können.
KI-Erkennungstools: Helfen sie dabei, KI-Texte zu erkennen?
Mittlerweile gibt es bei der Online-Recherche zahlreiche Tools, die versprechen, KI in Texten zuverlässig zu erkennen. Diese Tools scannen deinen eingefügten Text und geben dir am Ende eine Einschätzung aus, teils mit prozentualer Wahrscheinlichkeit oder Anteilen an KI-Text. Klingt erstmal super – ist in der Praxis aber schwierig. Denn: KI in Texten ist in keiner Weise technisch gekennzeichnet. Das wäre zwar möglich, allerdings sind die Entwickler von ChatGPT & Co. daran natürlich wenig interessiert, solange keine Pflicht besteht. Deshalb kann auch ein KI-Erkennungstool nicht mehr tun als nach üblichen Floskeln oder Satzstrukturen Ausschau zu halten, die für KI üblich sind. Dafür nutzen die Tools in der Regel – Überraschung – selbst KI. Ob der geprüfte Text am Ende wirklich KI-basiert erstellt wurde, kann dir das Tool kaum sagen. Schreibt jemand tatsächlich in ähnlichen Strukturen wie KI-Tools, wird das Prüftool fehlerhaft anschlagen.
Kleiner Einblick: Ich habe diesen Artikel vor Veröffentlichung interessehalber mit drei verschiedenen KI-Erkennungstools geprüft. Das Ergebnis: Zwei Tools haben mir mit 99 Prozent bestätigt, dass ich diesen Artikel selbst geschrieben habe. Das dritte hingegen sah 37 Prozent KI-generierte Inhalte in meinem Text – und das in einem Artikel, der selbst für meine Verhältnisse sehr umgangssprachlich gehalten ist. Je fachlicher Texte gehalten sind, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass darin typische KI-Formulierungen enthalten sind.
Typische Floskeln und Formulierungen, an denen du KI-Texte erkennst
Wir haben gelernt: KI-Erkennungstools sind nicht wirklich gut darin, KI-Texte zu erkennen. Woran können wir sie jetzt aber erkennen? Ich habe über die letzten Wochen und Monate eine Liste aus üblichen Formulierungen und Floskeln zusammengestellt, die vor allem ChatGPT sehr häufig verwendet. Achte mal drauf, wenn du das nächste Mal durch LinkedIn scrollst oder einen Newsletter oder Blog liest. Hast du die typischen Anzeichen einmal auf dem Schirm, begegnen sie dir überall.
Grundsätzlich legen KI-Tools bei der Texterstellung auch sehr großen Wert auf eine klare Struktur. Daran ist es zugegeben schwierig, einen tatsächlichen KI-Text zu erkennen – in meinen Artikeln und in vielen anderen Blogs findest du auch immer eine sehr klare Struktur vor. Beliebt sind aber vor allem Abschnitte mit sehr kurzer Einleitung und anschließender Aufzählung einzelner Punkte, die nach einem Doppelpunkt detaillierter erklärt werden. Ähnlich wie im vorangehenden Abschnitt zu den Gründen, aus denen es wichtig ist, KI-Texte zu erkennen – nur, dass sich dieses Konzept dann durch den gesamten Artikel zieht.
Häufig fehlen außerdem typisch menschliche Elemente wie Redensarten oder Metaphern. KI-Tools arbeiten Metaphern entsprechend der Prompts in Texte ein, aber oft auf unnatürliche Weise.
Fazit: Zuverlässige KI-Erkennung ist bisher kaum möglich, aber du kannst auf Zeichen achten
KI-Inhalte sind in unserem Alltag angekommen – nicht nur Texte, sondern auch Bilder, Videos und Audios. Unabhängig von deiner privaten und beruflichen Einstellung zu diesem Thema ist es sinnvoll, solche Inhalte erkennen zu können. Wenn nicht aus Marketinggründen, dann zumindest aus Gründen des kritischen Hinterfragens von News. Wie du aber siehst – vieles im Bereich der Erkennung ist bisher Bauchgefühl. Erkennungstools erkennen oft nur die sehr offensichtlichen KI-Inhalte und eine Kennzeichnungspflicht gibt es erst ab August 2026 durch den EU AI Act. Und auch dort scheint eine Ausnahme geplant, sofern KI-generierte Inhalte einer menschlichen Überprüfung unterzogen wurden (das findest du in Artikel 50 unter Punkt 4). Für dich als Leser:in bedeutet das: Ist es dir wichtig, KI-generierte Inhalte zu erkennen, lerne, auf typische Zeichen zu achten und interagiere mit menschlich erstellten Inhalten, um zu zeigen, dass Authentizität und Transparenz der Weg der Wahl sind.