Texter:in oder KI:

Texter oder KI
©️Sergey Zolkin - Unsplash

Brauchen wir noch Menschen, um Texte zu schreiben?

„Das klingt nach einem spannenden Thema! Sehr gerne helfe ich dir dabei.“ Diese Aussage hat wohl jeder schon einmal gesehen, der ChatGPT & Co. getestet hat. Ob nur für neue Inspiration oder direkt für die gesamte Texterstellung – KI-Tools sind im privaten und beruflichen Alltag angekommen. Dann kann ich als Texterin meinen Beruf an den Nagel hängen, oder? Ganz so vorschnell möchte ich meine Wanderausrüstung dann doch noch nicht in den Schrank verbannen. Lass mich dir in diesem Artikel die Gründe dafür zeigen und finde heraus, wie Mensch und Maschine Freunde statt Konkurrenten werden können.

Was kann KI beim Erstellen von Texten leisten?

Texten ist ein breites Berufsfeld. Vom Copywriting mit einzigartigen Slogans und Taglines über suchmaschinenoptimierte Blogartikel und Websitetexte bis zu Werbematerialien oder Magazinen gibt es Textarten wie Sand am Meer – und dann sind da auch noch die Autor:innen mit ihren Romanen, Fachbüchern und Lyrik. Können sie alle jetzt mit künstlicher Intelligenz als Gehilfe oder Ghostwriter ihr Geld verdienen? Vorbei sind die Zeiten des fünften Kaffees, um die Deadline einzuhalten und die Suche nach dem Synonym, das wirklich die gewünschte Bedeutung hat? Bei dem Leistungsumfang, den KI-Tools wie ChatGPT inzwischen bieten, könnte man das durchaus glauben:

  • KI kann in kürzester Zeit Texte für Websites, Blogs, Social Media und zahlreiche weitere Bereiche erstellen und sich dabei an einen vorgegebenen Stil, eine Struktur und Keywords halten – in korrekter deutscher Sprache.

  • Bestehende Texte können KI-Tools umformulieren oder in andere Textarten umwandeln – aus einem Blogartikel entstehen problemlos mehrere Posts für Instagram und LinkedIn.

  • Du kannst der KI bestehende Inhalte und Informationen mitgeben, anhand derer sie Zusammenfassungen erstellen kann.

  • KI-Tools können anhand eines Themas und minimaler Vorgaben eine sinnvolle Struktur für Texte generieren.

Scheint, als wäre ein großer Teil der Jobbeschreibung für Texter:innen damit abgedeckt – vielleicht sind meine Wanderschuhe gerade doch auf dem Weg in den Schrank?

KI kann also zuverlässig Texte generieren. Brauchen wir noch Texter:innen?

Wer schon einmal eine KI mit der Texterstellung beauftragt hat, kann meine Aussage sicherlich bestätigen: KI kann Texte generieren, die sowohl korrekt als auch problemlos lesbar sind.

KI kann mittlerweile Texte schnell und effizient erstellen, besonders bei standardisierten Inhalten wie Produktbeschreibungen oder SEO-Texten. Sie verarbeitet riesige Datenmengen, schreibt grammatikalisch korrekt und bewältigt repetitive Aufgaben mühelos. Allerdings stößt sie an Grenzen, wenn es um Kreativität, emotionale Tiefe und das Verständnis von Kontext geht. Kulturelle Feinheiten und Subtext kann KI nur schwer erfassen. Während sie Informationen gut strukturiert darstellt, fehlt es ihr an kritischem Denken und persönlicher Note – Bereiche, in denen menschliche Texter:innen weiterhin überlegen bleiben.

Wenn du es bis hierher geschafft hast: Herzlichen Glückwunsch! Ich wäre beim letzten Abschnitt als Leserin vermutlich eingeschlafen. Solche Texte kannst du erwarten, wenn du ChatGPT einen simplen Prompt mitgibst. In diesem Fall war es wirklich nur ein Satz:

Bitte schreibe mir einen Abschnitt für den Artikel „Texter:in oder KI: Brauchen wir noch Menschen, um Texte zu schreiben?“ mit 100 Wörtern darüber, was KI beim Schreiben bisher leisten kann und wann sie an ihre Grenzen kommt.

Fairerweise muss ich natürlich sagen, dass ich mir mit diesem Prompt keine Mühe gegeben habe. Mit dem nächsten allerdings schon – ich habe die KI die gleiche Frage noch einmal beantworten lassen: Was kann KI beim Schreiben leisten und wann kommt sie an ihre Grenzen?

Ja, KI kann mittlerweile richtig gut Texte schreiben. Sie erstellt Blogartikel, Produktbeschreibungen oder sogar Social Media Posts in Rekordzeit. Klingt verlockend, oder? Aber hier kommt der Haken: KI funktioniert super bei standardisierten Aufgaben, wenn es um Fakten oder wiederholbare Muster geht. Sobald es jedoch darum geht, Emotionen zu transportieren, Markenpersönlichkeit zu vermitteln oder komplexe Inhalte greifbar zu machen, stößt sie an ihre Grenzen. Eine KI versteht den Kontext nicht wie ein Mensch und wird nie die Authentizität bieten, die dein Business einzigartig macht. Also ja, wir brauchen weiterhin Texter:innen – gerade für Texte, die wirklich zu deiner Marke passen.

Dieser Abschnitt passt auf jeden Fall deutlich besser zu dem, was du sonst auf meinem Blog lesen kannst. Logisch – ich habe die KI auch erst einmal gefüttert: mit Infos zu meiner Zielgruppe, meiner Marke, meinem Stil und mit Textbeispielen. Sicherlich hätte ich mit ein paar Korrekturwünschen und einem längeren Gespräch über meine Vorstellungen noch mehr rausholen können. Und sicherlich könnte ich über Monate an einem Prompt basteln, der am Ende dafür sorgt, dass ChatGPT Blogartikel schreibt, die aus meinen eigenen Fingern kommen könnten. Aber habe ich dadurch wirklich etwas gewonnen?

Bei authentischen Texten kommt KI an ihre Grenzen

Meine Wanderschuhe sind definitiv wieder an ihrem angestammten Platz gelandet und schnell griffbereit für die nächste Wandertour mit Kund:innen. Denn KI wird Texter:innen in absehbarer Zeit wahrscheinlich nicht ersetzen. Es fehlt ihr an einer unumgänglichen Komponente: Menschlichkeit. Das konntest du wahrscheinlich an den beiden Textbeispielen erkennen:

  • Generische Texte kann eine KI zuverlässig erstellen – Kreativität und Originalität fehlen ihr allerdings.

  • Trotz umfangreichen Infos zur Marke und zum Stil klingen Texte oft nicht wie gewünscht.

  • KI hat Schwierigkeiten, Texte auf die Wünsche und Pain Points einer Zielgruppe zuzuschneiden – es fehlt ihr an Empathie.

  • Je spezifischer die Anforderungen werden, desto schwieriger wird es, gute Texte durch KI zu generieren.

In all diesen Punkten sind ChatGPT und ich uns übrigens einig: Die Grenzen der KI in der Texterstellung hat das Tool mir selbst aufgezählt – nur anders formuliert.

Was kann KI jetzt also wirklich für Texte leisten?

Künstliche Intelligenz ist in der Textbranche angekommen. Einige Texter:innen nutzen KI für die Texterstellung, einige nur für die Recherche und neue Inspiration und manche statten sich mit neuer Wanderausrüstung aus und erarbeiten detaillierte Prompts mit und für ihre Kund:innen. Bei letzterem handelt es sich allerdings um ein komplett neues Berufsfeld, das mit der klassischen Art zu texten koexistieren kann. Eins ist dennoch klar: Kein:e Texter:in kann sich vollständig vor KI-Tools verschließen. Statt KI jedoch als Bösewicht im eigenen Lebensroman zu sehen, kann sie zum Freund und treuen Begleiter werden. Sie kann die Textarbeit unterstützen, indem sie Textstrukturen erstellt, neue Formulierungsideen erarbeiten oder eine einheitliche Schreibweise überprüfen kann. Sollen sich Texte jedoch von der Konkurrenz abheben und eine Marke authentisch repräsentieren, ist der Mensch nach wie vor der geeignete Begleiter auf dieser Wanderung.

Ein Blick in die Glaskugel: Wie kann sich die Zukunft des Textens weiter verändern?

Natürlich handelt es sich bei diesem Artikel um eine aktuelle Einschätzung für 2024 – und eine subjektive noch dazu. Auch ohne physisch vorhandene Glaskugel kann ich dir sagen, dass sich sowohl die Situation als auch meine Meinung noch unzählige Male ändern wird. Vielleicht landen meine Wanderschuhe in einigen Jahren doch im Schrank, weil KI sich weiterentwickelt hat. Was allerdings langfristig bleiben wird, ist der Wunsch nach authentischen Texten, die Menschen ansprechen und überzeugen. Und bisher braucht es menschliche Texter:innen, um das zu leisten.