Feedback an Freelancer geben:

Feedback an Freelancer geben
©️Priscilla Du Preez - Unsplash

ein Guide

Feedback ist ein wichtiger Bestandteil unseres alltäglichen Lebens – privat, aber vor allem beruflich. Nach Abschluss eines Projekts, für einen Zwischenstand oder die berufliche Weiterentwicklung erhalten wir immer wieder Feedback von Führungskräften oder Kolleg:innen. Eigentlich sollten wir also geübt darin sein, einerseits Feedback zu geben, es andererseits aber auch anzunehmen. Dennoch kommt es immer wieder zu Problemen: Feedback wird falsch aufgenommen, zum falschen Zeitpunkt gegeben oder ist schlichtweg unpassend. So geht es auch uns Freelancer:innen immer wieder. Gerade in der kreativen Branche kann wohl jede:r von uns Geschichten von deplatziertem oder wenig hilfreichem Feedback erzählen. Andererseits sind aber auch viele von uns selbst in der Verantwortung: Unsere Aufgabe ist es, die gewünschte Form des Feedbacks einzufordern, um darauf aufbauen zu können. Aufgabe der Kundinnen und Kunden ist es wiederum, diese Wünsche ernst zu nehmen und konstruktives Feedback passend zur Dienstleistung zu geben.

In diesem Artikel findest du einen Guide, wie du konstruktiv und wirksam Feedback an Freelancer in der Kreativbranche geben kannst.

Warum ist es so wichtig, konstruktives Feedback an Freelancer zu geben?

Feedback ist nicht gleich Feedback – vor allem, wenn es um Kritik geht. Gerade im kreativen Bereich steht und fällt der Erfolg eines Projekts mit konstruktivem Feedback. Ob du eine:n Grafikdesigner:in mit der Erstellung eines neuen Logos beauftragst, eine:n Webdesigner:in mit einer Überarbeitung deiner Website oder eine:n Texter:in mit der Erstellung von Blogartikeln – sie alle verlassen sich nach deinem Briefing auf dein Feedback.

  • Bessere Arbeitsergebnisse: Gibst du konstruktives Feedback mit Änderungswünschen entsprechend deines Brandings und einer Corporate Identity, erhältst du bessere Arbeitsergebnisse. Die Texte oder Designs passen immer besser zu deiner Marke. Vor allem zu Beginn einer längerfristigen Zusammenarbeit, etwa für den Blog oder Social Media, lohnt sich ausführliches Feedback. Es wird dir kaum gelingen, bereits im Briefing das perfekte Wording oder Design zu definieren – das ermöglichen jedoch die ersten Feedback-Runden.

  • Zusammenarbeit verbessern: Konstruktives Feedback hilft dabei, die Ziele und Erwartungen an das Projekt und die weitere Zusammenarbeit abzustimmen. Je klarer diese Punkte sind, desto besser funktioniert auch eure Zusammenarbeit.

  • Weiterentwicklung für Freelancer: Freelancer sind für ihre berufliche Weiterentwicklung auf Kundenfeedback angewiesen. Durch dein Feedback ist es ihnen möglich, ihre Leistungen zu optimieren, sich für Weiterbildungen zu entscheiden und die Leistungen zu finden, die am besten laufen.

  • Zukünftige Korrekturschleifen vermeiden: Ob für Blogartikel, Social Media Grafiken oder Landingpages – kreative Arbeiten erfordern häufig eine Korrekturschleife. Je konkreter dein Feedback jedoch ausfällt, desto besser können Freelancer deine Vorstellungen bereits in der Erstfassung umsetzen. Das erspart euch beiden Arbeit, die durch Korrekturschleifen entsteht.

Wichtig ist allerdings auch: Du bist niemals allein in der Verpflichtung, Feedback zu geben. Aufgabe von Freelancern ist es, die für sie passende Form des Feedbacks einzufordern, Rückfragen zu stellen und selbst Feedback zu geben, wenn sie Änderungswünsche oder Lob haben. Am besten besprecht ihr vor Beginn der Zusammenarbeit gemeinsam, wie das Feedback aussehen soll. So besteht von Beginn an Klarheit und ihr vermeidet potenzielle Konflikte.

Worauf du achten solltest, wenn du Freelancern Feedback gibst

Grundsätzlich gilt: Frage dich, ob du selbst mit dem Feedback arbeiten könntest, das du gegeben hast. Sind deine Änderungswünsche nachvollziehbar und unmittelbar umsetzbar oder benötigt es noch mehr Klärung? Einige allgemeine Tipps, die dir das Feedback an kreative Freiberufler:innen erleichtern sollen, habe ich dir hier zusammengestellt.

  • Strukturiertes Feedback: Schreibst du eine Feedback-Mail, gib ihr eine Struktur. Handelt es sich zum Beispiel um einen Blogartikel, springe nicht zwischen Abschnitten hin und her, sondern folge der Struktur des Textes. Bei Websites kannst du dich an den jeweiligen Unterseiten und ihren Abschnitten orientieren. Im besten Fall hast du die Möglichkeit, direkt an den entsprechenden Stellen im Projekt zu kommentieren.

  • Klare Aussagen: Mache dir Gedanken über dein Feedback, bevor du es absendest. Bist du dir unsicher, ob dir eine Farbe, Schriftart oder Textzeile gefällt, markiere sie für dich und gib der Sache ein wenig Abstand. Freelancer können ihre Arbeit nur verbessern, wenn du dir sicher bist, ob es etwas zu verbessern gibt.

  • Keine Sprachnachrichten: Solange ihr Feedback in Form von Sprachnachrichten über WhatsApp nicht explizit vereinbart habt, sieh von dieser Form ab. Besonders für Texter:innen, aber auch im Grafik- oder Webdesign erhöht sich der Arbeitsaufwand um ein Vielfaches, wenn sie deine Änderungswünsche zunächst aufschreiben oder die Sprachnachricht mehrfach abhören müssen, um alle Punkte zu überarbeiten. Grundsätzlich ist es sinnvoll, Feedback direkt im Dokument oder per Mail zu geben. So sind alle Punkte zentral zusammengefasst und lassen sich schnell überarbeiten.

  • Alternativwünsche: Dass du Änderungswünsche hast, ist in jedem kreativen Projekt normal. Versuche dabei, so konkret wie möglich zu sein. Statt „Die Formulierung/Farbe gefällt mir nicht“ kannst du Hinweise geben, was du dir stattdessen wünschst, zum Beispiel: „Nutze bitte einen persönlicheren Stil oder eine hellere Farbe“. Je konkreter dein Alternativvorschlag ist, desto unkomplizierter ist die Überarbeitung.

Habt ihr gemeinsam andere Wege für Feedback vereinbart – vielleicht arbeitet deine Grafikdesignerin gerne mit Sprachnachrichten – sind diese natürlich absolut richtig. Letztendlich geht es darum, dass eure Zusammenarbeit für euch so gut wie möglich funktioniert.

Feedback als Freelancer annehmen: Was tun bei Kritik?

Eins ist klar – niemand mag negatives Feedback. Kein Freelancer erhält gerne negatives Feedback an seiner Arbeit und kaum eine Kundin oder ein Kunde gibt gerne negatives Feedback. Kritik deshalb aus dem Weg zu gehen, kann jedoch auch nicht der Weg der Wahl sein. Schließlich lernen wir aus Fehlern und können mit konstruktiver Kritik wachsen und uns verbessern. Rational ergibt das alles Sinn – wie gehst du jetzt aber als Freelancer mit negativem Feedback um?

Die wichtigste Antwort darauf umfasst nur ein Wort: rational. Auch, wenn du bei einem Wunsch nach anderen Formulierungen deiner Lieblingszeile im Blogartikel oder einer Anpassung des Farbschemas deines Branding-Vorschlags am liebsten weinen oder dagegen argumentieren möchtest – lass deine Emotionen außen vor. Bedanke dich für die Rückmeldung und nimm dir ein wenig Zeit, um zu bewerten, ob es sich um eine subjektive Meinung oder objektives Feedback handelt.

Vor allem im kreativen Bereich bedeuten Änderungswünsche nicht zwangsläufig negatives Feedback. Deine Kundin hat vielleicht einfach einen anderen Geschmack als du, schätzt aber trotzdem deine Arbeit für sie. Wirkt die Kritik auf dich unberechtigt und emotional, suche das Gespräch und versuche, die Hintergründe zu klären. Die wichtigste Erkenntnis beim Erhalt von Feedback lautet für mich: Kritik an deiner Arbeit ist keine Kritik an deiner Person.

5 grundsätzliche Tipps, wenn es darum geht, Feedback zu geben

Ob an Freiberufler:innen, Arbeitskolleg:innen oder Mitarbeiter:innen in deinem Unternehmen – gibst du jemandem Feedback, solltest du dabei ein paar Grundregeln beachten.

1. Sei konstruktiv

Feedback sollte immer hilfreich und konstruktiv sein – besonders, wenn es um Kritik geht. Aber auch, wenn du Lob aussprichst, ist es sinnvoll, konkrete Punkte herauszustellen. Erwähne zum Beispiel, welche Textpassagen besonders gut zu deiner Marke passen oder bedanke dich für eine transparente Kommunikation der Preise. Übst du Kritik, baue nach Möglichkeit Verbesserungsvorschläge mit ein: eine andere Schriftart für Grafiken oder den Wunsch nach kurzer Rückmeldung per Mail, wenn sich ein Projekt verschiebt. Stelle dir dabei selbst die Frage, ob du das gegebene Feedback ohne Rückfragen umsetzen könntest, wenn du in der Position deines Gegenübers wärst.

2. Gib faktenbasiertes Feedback, kein emotionales

Vor allem in kreativen Projekten geht es häufig auch darum, Emotionen auf Papier oder den Bildschirm zu bringen. Du möchtest deinen Leser:innen, Follower:innen oder Kundinnen und Kunden eine bestimmte Message vermitteln und hast dir dafür Unterstützung gesucht. Dass ein:e Texter:in mal nicht den perfekten Ton trifft oder dein:e Webdesigner:in nicht auf Anhieb den aus deiner Sicht perfekten Onepager kreiert, ist normal. Schließlich können Freelancer nicht in deinen Kopf schauen, sondern nur das umsetzen, was du ihnen mitgegeben hast und sie sich selbst vorstellen. Basiere dein Feedback deshalb immer auf konkreten Fakten und Punkten, die verbessert werden sollen. Emotionales Feedback sorgt schnell für Konflikte und wird persönlich aufgefasst, statt konstruktiv.

3. Wähle einen angemessenen Zeitpunkt

Ein gehetzter Anruf kurz vor Feierabend oder eine schnelle Nachricht bei WhatsApp ist in den meisten Fällen kein passender Zeitpunkt, um Feedback zu geben. Ob es dabei um ein konkretes Projekt oder die Arbeitsweise geht – nimm dir Zeit und mache dir Gedanken, wie du Feedback geben möchtest. Das kann beispielsweise in einem kurzen (virtuellen) Meeting sein, aber auch per Mail.

4. Nimm auch selbst Feedback an

Feedback geschieht immer auf Augenhöhe – ebenso wie deine Zusammenarbeit mit Freiberufler:innen. Gibst du Feedback, sei im Gegenzug auch selbst offen dafür, Feedback zu erhalten. Auch als Kund:in kannst du so deine Stärken und Schwächen kennenlernen und möglicherweise die zukünftige Zusammenarbeit weiter verbessern.

5. Wähle eine geeignete Form

Nicht für jedes Feedback braucht es ein gesondertes Meeting. Kleinere Anpassungen im Design oder beim Text zum Beispiel kannst du einfach als Kommentar in eurem Zusammenarbeitstool hinterlassen oder per Mail schreiben. Umfassendes Abschlussfeedback nach einem Projekt hingegen besprecht ihr am besten persönlich – virtuell oder bei einem Kaffee. So könnt ihr zeitgleich besprechen, wie die Zusammenarbeit weiterlaufen soll.

Verbessere eure Zusammenarbeit & Ergebnisse, indem du konstruktives Feedback an Freelancer gibst

Wie erfolgreich sich deine Zusammenarbeit mit Freiberufler:innen gestaltet, hängt stark davon ab, wie ihr euch gegenseitig Feedback gebt. Herrscht grundsätzlich eine gute, wertschätzende Atmosphäre und schafft ihr von Beginn an einen gemeinsamen Konsens, wie ihr Feedback geben möchtet, seid ihr wahrscheinlich auf einem guten Weg. Konstruktives Feedback hilft euch nicht nur dabei, eure Zusammenarbeit zu stärken und zu verbessern, sondern auch dabei, eure eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen und euch weiterzuentwickeln. Baue also eine Routinefrage zum Thema Feedback in dein Erstgespräch mit Freelancern ein und schaffe von Beginn an eine wertschätzende Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.